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Man Rays „Noir et Blanche“- Reloaded: Kunstvideo und Führung von Schüler*innen des Q12-Kunstkurses durch die Afrikaausstellung des Museums Museum Fünf Kontinente:


Nur wenige Stunden bevor die Corona-Schließung das Museum Fünf Kontinente für lange Zeit für Besucher:innen unzugänglich machte, fand am 13. März 2020 in der Afrikasammlung dieses ehrwürdigen Museums an der Maximilianstrasse eine ungewöhnliche Veranstaltung statt: Vor einem Publikum aus Mitschüler:innen, Eltern und Lehrkräften brachten die Zwölftklässler:innen aus dem Kunstkurs von Frau Schemmel dort Sammlungsobjekt zum Sprechen, die ihnen einige Woche zuvor noch gänzlich fremd waren.

Alles begann mit einer Begegnung in Cape Town, Südafrika, im Rahmen einer transnationalen Konferenz, bei der es vor allem um die Erweiterung des Kunstunterrichts um globale Inhalte jenseits der europäischen Kunstgeschichtsschreibung ging. Dort präsentierte Frau Schemmel ein Video aus Schwarzweißfotos, das im Kunstunterricht am ThG entstanden war. Jede:r Kursteilnehmer:in hatte ein Schwarz-Weiß-Foto beigetragen zu einer kritischen Aktualisierung der historischen Fotografie von Man Ray mit dem Titel „Noire et Blanche“ (1926). Dieses Video aus Standbildern, das eine künstlerische Brücke zwischen den 1920er und den 2020er-Jahren schlägt, fand beim Afrikakurator des Münchner Museums Fünf Kontinente, Dr. Stefan Eisenhofer, der ebenfalls Gast der Konferenz war, großen Anklang. So entstand die Idee zu einem gemeinsamen Projekt zwischen den beiden Münchner Institutionen.

Schnell war vereinbart, dass das Video als eine Art visueller Türöffner in die Afrikaausstellung des Museum Fünf Kontinente aufgenommen würde, um das Verhältnis von europäischen Blicken und Artefakten afrikanischer Herkunft zu thematisieren. Aber damit war es noch nicht genug. Nach einer ersten Führung durch die Afrikasammlung des Museum Fünf Kontinente im Januar durch Dr. Eisenhofer schlossen sich die Jugendlichen, die inzwischen Zwölftklässler:innen waren, zu Team zusammen, um sich über einzelne Objekte eingehender zu informieren. Im Kunstunterricht befassten sie sich mit wissenschaftlichen Texten und erarbeiteten sich nicht nur den Forschungsstand, sondern auch eine eigene Haltung zum Exponat ihrer Wahl. Und dann entstanden innovative Ideen zur Vermittlung.

Die Herausforderung, neue Vermittlungsformen für das Museum zu erdenken, passt zum Lehrplan des letzten Kunsthalbjahrs der Oberstufe, der dem Thema „Kommunikation gewidmet ist. Die Themen der Interventionen der Schüler:innen reichten schließlich von der Dekontextualisierung westafrikanischer Masken im Museum über künstlerische Transfers in afro-portugiesischen Schnitzereien des 18. Jahrhunderts bis hin zur rassistischen Überbetonung der „Schwärze“ Afrikas und seiner Kunstwerke im Gegensatz zum antiken Griechenland, dessen Bildwerke wir gern ganz in Weiß sehen. (Trotz der entsprechenden konservatorischen Zurichtungen zeigen neuere Forschungen, dass hier und dort gern mit reichlich Farbe gearbeitet wurde.) Ob in Form einer theatralische Szene über den Hype um die poppigen Särge des Bildhauers Pa Joe aus Ghana oder eines gestellten Schlagabtauschs zweier zum Leben erwachter Zwillingsfiguren aus Nigeria mit einer europäischen Museumsexpertin: Die Zwölftklässler:innen führten vor, dass Museumsführungen Spaß machen können und dass wir in alle Richtungen neu denken und sehen lernen sollten, wenn wir uns mit unserem kolonialen Erbe und den Reichtümern unserer Museen kritisch befassen wollen.
So war das Feedback seitens des Publikums und des Museums schließlich enthusiastisch und auch die Schüler:innen zeigten sich sehr zufrieden mit diesem Experiment, bei dem sie sich schauspielerisch, forschend und ein Stück weit gesellschaftskritisch einbringen konnten. Weitere Kooperationen mit dem Museum Fünf Kontinente stehen daher in Aussicht!

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